Heimische Arten
- Eingebürgerte Arten
- Gefährdung
- Krebspest - Schutz
- Wiederansiedlung
- Bezugsadressen
Edelkrebse
- Besatzkriterien
- Bestimmung
- Nachweis
- Rechtliche Bestimmungen
- Literatur
- Beobachtungen
- Erstnachweis
Flusskrebse in NRW
Die
folgende Vorstellung der bisher in NRW nachgewiesenen Flusskrebsarten gibt einen
kurzen Einblick in die Lebensweise der Tiere. Weiterhin werden die wichtigsten,
auch dem weniger geübten Betrachter zugänglichen Bestimmungsmerkmale erläutert.
Einige nicht zu vermeidende Fachbegriffe werden in den Abbildungen des
Bestimmungsschlüssels erläutert. Neben den schon in NRW vorkommenden sechs Arten
ist der Kalikokrebs (Orconectes immunis) und der Marmorkrebs (Procambarus
spec.) mit in den Bestimmungsschlüssel aufgenommen
worden, da zu befürchten ist, dass diese Arten zumindest mittelfristig auch in
NRW nachgewiesen werden.
Früher lebten Flusskrebse in den meisten Binnengewässern Mitteleuropas. Auch die
Bäche, Flüsse und stehenden Gewässer im heutigen Nordrhein-Westfalen wurden in
ihrer Mehrzahl von ihnen besiedelt, oftmals in hohen Bestandsdichten.
Flusskrebse gehören damit zum natürlichen Arteninventar unserer Gewässer.
Die
ausgedehnten und individuenreichen Flusskrebsbestände vergangener Zeiten wurden
im Wesentlichen durch den Edelkrebs gebildet, der auch als
Europäischer
Flusskrebs bezeichnet wird. Die Häufigkeit seines Vorkommens und sein
wohlschmeckendes Fleisch machten ihn in den vergangenen Jahrhunderten zu einem
begehrten Nahrungsmittel. Fang und Handel wurden in einem aus heutiger Sicht
kaum noch vorstellbaren Ausmaß ausgeübt.
Eine zweite Flusskrebsart, der
Steinkrebs, kam zeitgenössischen Aufzeichnungen
zufolge früher in den südlichen, gebirgigen Teilen Nordrhein-Westfalens vor. Er
ist ein Bewohner kalter, schnell strömender Bachoberläufe. Die wenigen,
teilweise erst in jüngster Zeit entdeckten Vorkommen des Steinkrebses sind ein
deutlicher Hinweis, dass diese Art tatsächlich in Nordrhein-Westfalen
ursprünglich heimisch ist.
Die Bestände der heimischen Flusskrebsarten sind in den letzten 100 Jahren stark
zurückgegangen. Beim Edelkrebs muss sicherlich von einem dramatischen Einbruch
gesprochen werden. Auch vom Steinkrebs sind in NRW nur noch drei kleinere
Vorkommen im äußersten Süden Nordrhein-Westfalens bekannt. In der Südhälfte
Deutschlands und im Alpenraum kommt der Steinkrebs dagegen noch vergleichsweise
häufig vor. Stabile Populationen des Edelkrebses findet man nur noch in sehr
wenigen Gewässern Nordrhein-Westfalens. Aufgrund dieser Bestandssituation und
der anhaltenden Gefahren gilt der Edelkrebs in unserem Land als stark gefährdet.
Der Steinkrebs ist in NRW sogar vom Aussterben bedroht. Beide Arten sind gemäß
der FFH-Richtlinie europaweit geschützt
(Infos dazu beim MUNLV NRW:
Edelkrebs bzw.
Steinkrebs)
|
|
|
Edelkrebs, Europäischer Flusskrebs (Astacus astacus)
Mit
Körperlängen bis 18 cm (von der „Nasenspitze“ bis zum Schwanzende, d. h. ohne
Scheren!) ist der Edelkrebs die größte bei uns vorkommende Flusskrebsart. Er war
historisch in den meisten Gewässern NRWs verbreitet. Sein ursprünglicher
Lebensraum sind größere Bäche, Flüsse und Seen mit ausreichend
Versteckmöglichkeiten. Da der Edelkrebs wie die meisten Flusskrebse auch
verendete und kranke Tiere frisst, wirkt er im Gewässer als
„Gesundheitspolizei“.
Der
Edelkrebs ist meist einheitlich braun gefärbt, wobei die Spanne je nach Gewässer
von recht hellen bis hin zu annähernd schwarzen Tieren reicht. Regelmäßig finden
sich aber auch Exemplare mit einem mehr oder weniger intensiven roten, grünen
oder blauen Schimmer.
Orangerote Scherenunterseiten in Verbindung mit leuchtend rot gefärbten
Gelenkhäuten in den Scherengelenken kennzeichnen diese Flusskrebsart. Der
Körperpanzer weist an der Oberseite hinter den Augen zwei Paar Augenleisten auf,
an den Seiten direkt hinter der Nackenfurche befindet sich mindestens ein
kleiner Dorn.
|
|
|
Steinkrebs (Austropotamobius torrentium)
Mit
Längen von 8 bis höchstens 10 cm ist der Steinkrebs die kleinste europäische
Flusskrebsart. Er ist in den südlichen Teilen NRWs heimisch. In den
Einzugsgebieten von Weser und Ems kommt der Steinkrebs natürlicherweise nicht
vor. Der Steinkrebs lebt überwiegend in
sommerkühlen,
natürlichen und unverschmutzten Bachoberläufen, die er bis zur Quellregion
besiedeln kann. Wie der Edelkrebs ist er nachtaktiv und verbirgt sich am Tage in
Verstecken.
Die Körperoberseite der Steinkrebse ist meist graubraun gefärbt. Da hellere
Bereiche mit dunkleren wechseln, ergibt sich insgesamt ein leicht marmorierter
Eindruck. Die Tiere haben stets hellgraue bis weißbraune Scherenunterseiten
(markanter Unterschied zu Edelkrebsen ähnlicher Größe!), ein auffallend stumpfes
Rostrum und nur ein Paar Augenleisten. Der gesamte Panzer ist unbedornt.
|
|
|
Einbürgerung fremder Flusskrebsarten
Schon vor
über 100 Jahren wurde damit begonnen, aus anderen Teilen der Welt stammende
Flusskrebsarten in mitteleuropäischen Gewässern auszusetzen. Diese als
gebietsfremd zu bezeichnenden Krebsarten konnten sich in ihren neuen
Lebensräumen oftmals erfolgreich behaupten und ausbreiten. Für die Ansiedlung in
immer neuen Gewässern ist in der Regel der Mensch verantwortlich. Heute leben
daher neben den heimischen Krebsen mindestens vier weitere Flusskrebsarten in
NRW. Hierbei handelt es sich um den ursprünglich in Südosteuropa beheimateten
Galizischen Sumpfkrebs sowie die aus Nordamerika
stammenden Arten
Kamberkrebs,
Signalkrebs und Roter Amerikanischer Sumpfkrebs.
Der
in nahezu allen größeren Flüssen und Kanälen lebende
Kamberkrebs ist mittlerweile die häufigste Flusskrebsart.
Auch der Signalkrebs konnte schon in vielen Gewässersystemen nachgewiesen werden
und breitet sich offensichtlich stetig aus. Ob sich der mittlerweile in mehreren
Gewässern lebende Rote Amerikanische Sumpfkrebs ebenfalls ausbreitet, ist noch
nicht zu sagen. Wie in anderen Bundesländern ist auch für NRW zu befürchten,
dass weitere Flusskrebsarten v.a. über den Aquarienhandel in unsere Gewässer
gelangen.
|
|
|
Kamberkrebs, Amerikanischer Flusskrebs (Orconectes limosus)
Mit einer Körperlänge von höchstens 13
cm gehört der Kamberkrebs zu den kleineren in NRW lebenden Flusskrebsarten. Im
Gegensatz zu den sehr standorttreuen heimischen Arten ist er äußerst
wanderfreudig und überlebt auch in verschmutzten und strukturarmen Gewässern.
Zusammen mit der hohen Vermehrungsrate und der Verfrachtung durch den Menschen
hat dies zu seiner großen Verbreitung geführt. Kühlere Gewässer scheint er
allerdings zu meiden. Durch seine auch tagaktive Lebensweise wird der
Kamberkrebs häufiger beobachtet.
Die meist gut erkennbaren rostbraunen Querstreifen auf den einzelnen Segmenten
des Hinterleibes in Verbindung mit mehreren gut sichtbaren Dornen an jeder Seite
des Körperpanzers sind die unverwechselbaren Kennzeichen des Kamberkrebses. Die
Spitzen der Scheren sind meist orange, die Scherenunterseiten hellbraun bis
grau, niemals rot. Die paarigen Augenleisten des Kamberkrebses sind nicht
unterbrochen.
|
|
|
Galizischer Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus)
Der
Galizische Sumpfkrebs, gelegentlich auch kurz „Galizier“ genannt, erreicht mit
einer Körpergröße bis zu 18 cm ähnliche Abmessungen wie Edel- und Signalkrebse.
Die vereinzelten Vorkommen des in NRW ursprünglich nicht heimischen Galizischen
Sumpfkrebses beruhen auf Besatzmaßnahmen. Im Vergleich zum Edelkrebs bevorzugt
er mehr stehende oder langsamfließende Gewässer. Gegenüber schlammigem
Gewässergrund, Sauerstoffgehalt und Wassertemperatur besitzt er eine etwas
höhere Toleranz.
Galizische
Sumpfkrebse haben meist eine hellbraune bis schmutzig-gelbe Körperfärbung.
Häufig besitzt v.a. der Kopfbereich kleine dunklere Flecken. Die Scheren der
männlichen Tiere wirken auffällig langgestreckt mit geraden, nicht gebuchteten
Scherenfingern. Die Scherenunterseiten sind blassgelb bis hellbraun, niemals
rot. Seitlich im Bereich der Nackenfurche befinden sich mindestens ein, meist
aber mehrere große, spitze Dornen. Auch die zwei Paar Augenleisten sind bedornt.
|
|
|
Signalkrebs
(Pacifastacus leniusculus)
Der Signalkrebs ähnelt hinsichtlich Lebensweise, Erscheinungsbild und
Körpergröße sehr dem heimischen Edelkrebs. Da er schneller wächst, eine höhere
Vermehrungsrate hat und wesentlich aggressiver ist, ist er dem Edelkrebs
biologisch überlegen und verdrängt ihn auch ohne eine Übertragung der Krebspest.
Der
Signalkrebs hat seinen Namen durch einen markanten, weiß bis türkisblau
gefärbten Fleck auf der Oberseite der Scheren erhalten. Da er bei keiner anderen
Krebsart auftritt, ist er ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, aber nicht immer
sehr deutlich ausgeprägt. In Übereinstimmung mit dem Edelkrebs hat auch der
Signalkrebs rote Scherenunterseiten und zwei Paar Augenleisten, das hintere
Leistenpaar ist jedoch oftmals nur undeutlich ausgeprägt. Die dornenlosen Seiten
des insgesamt auffällig glatten Körperpanzers sind daher ein wichtiges
Unterscheidungsmerkmal.
|
|
|
Roter Amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii)
Der bis
15 cm Körperlänge erreichende Rote Amerikanische Sumpfkrebs wird teilweise immer
noch als exotischer Besatz für Aquarien und Gartenteiche angeboten. Durch das
Aussetzen und Entweichen in Gefangenschaft gehaltener Tiere (Rote Amerikanische
Sumpfkrebse sind für ihre Wanderfreude - auch über Land - bekannt) sind
mittlerweile einige freilebende Bestände in NRW entstanden. Aufgrund der sehr
hohen Vermehrungsraten und Widerstandsfähigkeit ist eine weitere Ausbreitung
dieser Art zu befürchten.

Die erwachsenen Tiere sind an ihrer roten bis schwarzen Körperfärbung und den
mit leuchtend roten Warzen besetzten Scheren gut zu erkennen. Jungtiere dagegen
sind mehr grünlich gefärbt. Daher sind die auffällig schlanke Gestalt und die
sich berührenden Rückenfurchen wichtige Bestimmungsmerkmale.
|
|
|
Gefährdung der heimischen Krebsarten
Die in NRW kritische Bestandssituation des Edel- und Steinkrebses ist Folge schwerwiegender Eingriffe des Menschen in seine Lebensräume und der Faunenverfälschung mit fremdländischen Krebsen in Europa. Die gegenwärtige Situation lässt sich im Wesentlichen auf die nachfolgend beschriebenen Ursachenkomplexe zurückführen:
Die Krebspest
In der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts trat erstmalig in Europa eine bis dahin
unbekannte Krankheit auf, die sich unaufhaltsam unter den Flusskrebsbeständen
ausbreitete. Noch vor Ende des Jahrhunderts waren die Edelkrebsbestände
Mitteleuropas vielerorts erloschen. Diese drastischen Auswirkungen brachten der
nur für Flusskrebse gefährlichen Pilzerkrankung den Namen „Krebspest“ ein. Nur
wenige Vorkommen in meist isolierten Gewässern blieben verschont.
Träger des Erregers und damit indirekte Auslöser der Krebspest sind die
amerikanischen Flusskrebsarten! Von Natur aus resistent oder zumindest
teilresistent gegen diesen Parasiten, können amerikanische Krebse lebenslange
Ausscheider des Erregers sein. Durch die weite Verbreitung der amerikanischen
Arten bricht die Seuche auch weiterhin aus und vernichtet heimische
Flusskrebsbestände. Die Krebspest ist ein erschreckendes Beispiel, welche
Auswirkungen das Aussetzen von nicht heimischen Organismen haben kann.
Ausführliche Informationen zur Krebspest unter
http://www.wirbellose.de/krebspest.html
Verbreitung nicht heimischer Flusskrebsarten
Die nicht heimischen Flusskrebsarten sind meist durch ihre höhere
Vermehrungsrate, ihr aggressiveres Verhalten oder die höhere Toleranz gegenüber
Umwelteinflüssen den heimischen Arten biologisch überlegen. Dadurch verdrängen
sie diese auch ohne eine Übertragung der Krebspest aus ihren Lebensräumen.
Gewässer mit einem Vorkommen fremder Flusskrebsarten sind daher grundsätzlich
für unsere heimischen Flusskrebse verloren. Die teilweise auch durch den
Menschen verursachte fortschreitende Verbreitung gebietsfremder Krebse führt zu
einem dauerhaften Lebensraumverlust für die heimischen Arten.
Ausbau und Verschmutzung der Gewässer
Als bodenorientiert lebende, nachtaktive Tiere sind unsere heimischen Krebse
auf eine vielgestaltig ausgeprägte Gewässerstruktur mit ausreichend
Versteckmöglichkeiten und stabilem Sohlsubstrat angewiesen. Von vereinzelten
Ausnahmen abgesehen bieten nur naturnahe Oberläufe von Fließgewässern mit
abwechslungsreicher Gewässerstruktur und einer verhältnismäßig guten
Wasserqualität sowie durch den Menschen wenig beeinflusste stehende Gewässer
diese Voraussetzungen. Die schon im 19. Jahrhundert begonnenen umfassenden
Ausbaumaßnahmen der Gewässer, verbunden mit einer vielerorts immer schlechter
gewordenen Wasserqualität, haben nach und nach zum Verlust dieser Lebensräume
geführt. Die heute noch existierenden Reliktvorkommen von Edel- und Steinkrebs
sind auffallend oft in weitgehend intakt gebliebenen Gewässern zu finden.
|
|
|
Schutz und Förderung der heimischen Flusskrebse -
was ist zu tun?
Zwar genießen die heimischen Flusskrebsarten durch verschiedene
Rechtsvorschriften (EU-FFH-Richtlinie, Bundesartenschutzverordnung,
Naturschutzrecht und Fischereirecht) einen hohen Schutz und eine ganzjährige
Schonzeit; dies reicht aber zur langfristigen Erhaltung dieser Arten nicht aus.
Notwendige Schutzmaßnahmen
Erfassung aller Flusskrebsbestände
Nur auf der Grundlage einer umfangreichen Erfassung aller vorhandenen
Flusskrebsbestände sind umfassende und effektive Schutzmaßnahmen für die
heimischen Arten möglich.
Lebensräume erhalten
Die Lebensräume der noch vorhandenen heimischen Flusskrebsvorkommen müssen
zumindest in ihrem derzeitigen Zustand erhalten bleiben bzw. Maßnahmen zur
Verbesserung oder zur Erweiterung ergriffen werden.
Ausbreitung nicht heimischer Flusskrebse verhindern
Die natürliche Ausbreitung der nicht heimischen Flusskrebsarten wird nicht
gänzlich zu verhindern sein. Zumindest aber die Verbreitung durch den Menschen
sollte unterbleiben. So ist ein Aussetzen von nicht heimischen Flusskrebsarten
grundsätzlich abzulehnen und laut Fischereirecht in NRW untersagt. Auch aus
Gartenteichen können die Tiere in andere Gewässer über Land abwandern. Eine
erlaubte intensive Befischung von nicht heimischen Bestände (v.a. die Entnahme
von weiblichen Tieren) kann eine weitere Ausbreitung deutlich verringern. Im
Einzelfall sollten zum direkten Schutz von heimischen Flusskrebsen
Wanderbarrieren erhalten bleiben oder sogar neue Krebssperren errichtet werden.
Auch wenn dies der grundsätzlich positiven Forderung nach einer Durchgängigkeit
von Fließgewässern entgegensteht.
Vermeidung einer Übertragung der Krebspest
Zwar werden auch bei der Krebspest die natürlichen Übertragungswege nicht
auszuschließen sein, der häufigen Verbreitung durch den Menschen ist aber
entgegenzuwirken. So können über einen Fischbesatz sowohl Erreger als auch kaum
sichtbare Jungkrebse eingeschleppt werden. Der Besatz sollte daher aus
„flusskrebsfreien“ Gewässern erfolgen. Weiterhin können durch feuchte
Fischerei-, Wassersport- oder Arbeitsgeräte Erreger übertragen werden. Eine
einfache Gegenmaßnahme ist das sorgfältige Trocknen der Geräte. Ein Ausbruch der
Krebspest nach der Verwendung von amerikanischen Flusskrebsen als Angelköder ist
belegt. Derartige Köder können nur nach längerem Einfrieren ohne Gefahr
verwendet werden.
Diese Problematik ist kaum bekannt. Daher ist ein Schutz der heimischen
Flusskrebse nur durch umfangreiche Information möglich.
|
|
|
Förderung durch Wiederansiedlung
Die Wieder- bzw. Neuansiedlung heimischer Flusskrebse in hierfür geeigneten und
aus eigener Kraft nicht zu erreichenden Gewässern ist neben dem Schutz schon
bestehender Populationen ein wirkungsvoller Beitrag zum Erhalt dieser stark
gefährdeten Tierarten. Nur durch diesen Ausgleich der durch die Krebspest
entstehenden Verluste kann das Überleben der heimischen Flusskrebse gesichert
werden.
Zu Beginn sollte eine Überprüfung der Gewässereignung vorgenommen werden. Neben
der Eignung des Gewässers in Bezug auf Typ, Struktur und Wasserqualität als
Lebensraum für Flusskrebse ist wichtig, dass im Gewässer selbst und in den
Zuläufen keine Flusskrebse vorhanden sind bzw. in nächster Zeit einwandern
können. In der Regel trifft dies nur auf naturnahe Oberläufe von Fließgewässern
sowie Stillgewässer mit überschaubaren Einzugsgebieten zu. Weiterhin sollten
spezielle Fressfeinde, wie v.a. der Aal nur in geringen Beständen vorhanden
sein. Auch muss die Bereitschaft aller Gewässernutzer gegeben sein,
Verhaltensweisen zum Schutz vor einer Übertragung der Krebspest einzuhalten.
Sollte es doch zu einem Ausbruch kommen, müssen Infektionsbarrieren (z.B.
unbesiedelte Abschnitte) ein Überspringen der Krebspest auf andere Bestände
verhindern. Eine flächendeckende Ansiedlung der heimischen Arten ist daher nicht
mehr möglich. Für den Besatz von heimischen Flusskrebsarten sollten möglichst
Tiere aus der jeweiligen Region verwendet werden. Ohne Sondergenehmigung dürfen
nur aus NRW stammende Flusskrebse besetzt werden.
Bei Fragen zum Flusskrebsbesatz wenden Sie sich an uns, wir beraten Sie gerne!
|
|
|
Kriterien für den Besatz von Edelkrebsen
Ursprünglich war der Edelkrebs (Astacus astacus) in Mitteleuropa sehr
weit verbreitet und wohl in den meisten Gewässern Nordrhein-Westfalens
vorhanden. Heute finden sich die wenigen verbliebenen und ursprünglichen
Vorkommen überwiegend in Oberläufen von Fließgewässern. Dieser Lebensraum stellt
aber ein Rückzugsareal dar. Der optimalere Lebensraum des Edelkrebses ist ein
sommer-warmes Gewässer.
Im Gegensatz zu vielen anderen Süßwasserorganismen ist der Edelkrebs nicht nur
durch Gewässerverschmutzung und Gewässerausbau gefährdet. Die größte Gefahr geht
von einer aus Amerika eingeschleppten Krankheit - der „Krebspest“ - und
von amerikanischen Flusskrebsarten aus. Diese übertragen nicht nur die
für die europäischen Flusskrebsarten absolut tödliche Krebspest, sondern breiten
sich immer mehr aus und besetzen den ursprünglichen Lebensraum des Edelkrebses.
Auf diesem Hintergrund müssen alle Besatzmaßnahmen bzw. die Eignung eines
Besatzgewässers gesehen werden. Um große Krebspestausbrüche zu verhindern,
sollen zwischen den einzelnen Beständen Infektionslücken bestehen
bleiben.
Die folgenden Kriterien sollten bei einem erfolgversprechenden Besatz von Edelkrebsen beachtet werden:
Ein Edelkrebsbesatz darf nur in Gewässern ohne Flusskrebsvorkommen erfolgen (Gewässerüberprüfung).
Ein Stützungsbesatz ist unnötig und birgt die Gefahr einer
Krankheitsübertragung.
Im Gewässer bzw. Gewässersystem und im näheren Umfeld sollen keine amerikanische
Flusskrebsarten vorhanden sein (Krebspestgefahr). Günstig sind Barrieren,
die eine Einwanderung von amerikanischen Arten in das Besatzgewässer verhindern
oder zumindest bremsen. Auch sollten sich keine größeren Ortschaften im
Einzugsgebiet befinden (isolierte Lage), da hier die Gefahr eines
Krebspestausbruchs z.B. durch ausgesetzte Aquarienkrebse hoch ist.
Um dem Edelkrebs einen geeigneten Lebensraum zu bieten, solle das Gewässer im
Sommer eine Mindesttemperatur von 15°C erreichen. Weiterhin muss es den
nachtaktiven Krebsen ausreichende Versteckmöglichkeiten, wie grobe Steine,
Wurzeln, Totholzansammlungen, Vertiefungen oder lehmige Ufer, in denen sie
Höhlen graben, bieten (gute Gewässerstruktur).
Bei einem hohen Bestand an Fressfeinden (v.a. Aal und Wels) sind die
Erfolgsaussichten für eine Edelkrebsansiedlung gering.
Alle mit dem Gewässer in Verbindung stehenden Personen (z.B. Angler,
Wassersportler, direkte Anlieger) sollten wissen, dass sie die Krebspest
durch Wassertransport (auch feuchtes Angelgerät) übertragen können und daher
einfache Vorsichtsmaßnahmen beachten.
Der für den Edelkrebs zur Verfügung stehende Lebensraum sollte eine ausreichende Größe besitzen. Für Fließgewässer ist eine Gewässerlänge von ca. 1 km und bei stehenden Gewässern eine Gewässerfläche von ca. 600 m² als Minimum zur Etablierung eines gesunden, sich reproduzierenden Edelkrebsbestandes anzusehen (Ausnahme Teichwirtschaft).
Sie haben die Möglichkeit diese Besatzkriterien auf unserer Downloadseite herunter zuladen.
Bei Fragen zum Flusskrebsbesatz wenden Sie sich an uns, wir beraten Sie gerne!
|
|
|
Bestimmung von Flusskrebsen
Die bei uns
lebenden Flusskrebsarten können anhand ihrer Körperform und -größe, bestimmter
Strukturen (Dornen, Leisten) auf dem Panzer sowie spezifischer Farbmerkmale
recht einfach unterschieden werden. Für die Bestimmung ist es vorteilhaft,
mehrere Individuen zur Verfügung zu haben. Die Krebse sollten zur
Identifizierung der Merkmale wenig verschmutzt sein, was hauptsächlich in den
Sommermonaten der Fall ist. Die Tiere häuten sich in dieser Zeit, d. h. sie
streifen ihren alten, oftmals verunreinigten Krebspanzer ab und bilden einen
neuen, sauberen Panzer aus.
Mit dem folgenden Bestimmungsschlüssel ist eine Unterscheidung der sechs derzeit in NRW vorkommenden sowie von zwei in anderen Bundesländern nachgewiesenen Flusskrebsarten möglich. Durch die Betrachtung jeweils eines einzelnen Merkmals werden die Arten unterteilt. So ist das erste Unterscheidungsmerkmal z.B. die Zahl der Augenleisten. Kamber-, Kaliko-, Marmor-, Stein- und Roter Amerikanischer Sumpfkrebs besitzen ein längliches Paar dieser direkt hinter den Augen sitzenden Leisten. Signal-, Edel- und Galizischer Sumpfkrebs besitzen dagegen zwei Paar bzw. die längliche Augenleiste ist deutlich unterbrochen. Darauf folgen weitere Merkmalsabfragen. Ist die Bestimmung bis zur einer Art abgeschlossen, sollten die jeweils unter den Artnamen aufgeführten Zusatzmerkmale überprüft werden. Treten hier Differenzen auf, ist die Bestimmung zu wiederholen. Bei Bestimmungsschwierigkeiten können Sie auch ein Foto mit dem ausgefüllten Meldeformular zusenden, das Bestimmungsergebnis teilen wir Ihnen dann gerne mit.
Adresse:
Edelkrebsprojekt NRW
Dr. Harald Groß (Projektleiter)
Neustraße 7 – 53902 Bad Münstereifel
Tel.: 0 22 53 / 96 08 59 – Fax: 0 22 53 / 96 08 63
E-Mail:
info@edelkrebsprojektNRW.de
Für die Überlassung von Textteilen und Fotos aus der Flusskrebsbroschüre des Landesfischereiverbandes Westfalen und Lippe e.V. (Bearbeitung: Dipl.-Biol. C. Burk) recht herzlichen Dank.
Zum Öffnen bzw. zum Herunterladen des
Bestimmungsschlüssels und der Bestimmungsmerkmale als PDF-Dokument einfach das
jeweilige Bild anklicken!
Bei Problemen schauen Sie sich bitte die Hinweise auf unserer
Downloadseite an!
Hier geht es zum interaktiven Online-Bestimmungsschlüssel der Flusskrebse in Rheinland-Pfalz
|
|
|
Wichtige Hinweise für die Kartierung von Flusskrebsbeständen!
Wie kann man Flusskrebse nachweisen?
Die einfachste Nachweismethode dieser nachtaktiven Tiere ist das nächtliche Absuchen von flachen Gewässerbereichen mit Taschenlampen zwischen April und Oktober. Auch das Umdrehen von Steinen am Tage kann bei dichteren Beständen zum Erfolg führen.
Gute Ergebnisse bringen beköderte Krebsreusen, mit denen auch tiefere Gewässer untersucht werden können. Als Köder eignen sich Weißfische und Leber besonders. Aber auch andere Fische und sogar Salami sollen Flusskrebse anlocken. Das Edelkrebsprojekt NRW stellt den ehrenamtlichen Kartierern Krebsreusen kostenfrei zur Verfügung.
Besonders im Frühjahr sind auch leere Krebspanzer oder tote Tiere ein sicherer Beweis für Flusskrebse im Gewässer. Die leeren Krebspanzer bleiben nach der Häutung, die Krebse regelmäßig vollziehen um zu wachsen, übrig, werden aber schnell gefressen.
Für die Kartierung von Flusskrebsen können in geringem Rahmen Aufwandsentschädigungen gewährt werden. Als Hilfe bei der Bestimmung der Arten liegt Informationsmaterial (Flusskrebsbroschüre, Bestimmungsschlüssel; siehe Downloadbereich) bereit und bietet das Projekt kostenlose Schulungen an.
|
|
|
Grundsätzlich unterliegen die Flusskrebse und die Großmuscheln dem Fischereigesetz, daher hat nur der Fischereirechtsinhaber das Recht, diese Tiere zu fangen (§ 3 LFischG NRW). Weiterhin ist zum Fang ein gültiger Fischereischein notwendig (§ 31 LFischG NRW). Eine Ausnahme stellen private, stehende Gewässer unter 0,5 ha Fläche dar.
Der Edelkrebs und alle heimischen Großmuschelarten sind aber ganzjährig geschützt und dürfen auch durch den Fischereirechtsinhaber dem Wasser nicht entnommen werden (§ 1 LFischO NRW).
Ausnahmegenehmigungen für die zeitweise Entnahme dieser Tiere müssen bei der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises (Naturschutzrechtliche Genehmigung) und bei der Oberen Fischereibehörde der Bezirksregierung (Fischereirechtliche Genehmigung) beantragt werde.
Nicht genehmigungspflichtig ist eine Nachtbegehung von Gewässern mit Taschenlampen, solange ein Vorkommen von besonders geschützten Arten nicht bekannt ist (§ 42 BNatSchG). Derartige Nachtbegehungen sollten aber ebenfalls mit dem Gewässereigentümer oder dem Fischereipächter abgesprochen werden, um Konflikte zu vermeiden. Außerdem darf umzäuntes Privatgelände nicht betreten werden.
Ansiedlung von Flusskrebsen
Zwei Vorschriften sind hier zu beachten:
Nicht heimische Krebse und Muscheln dürfen in Gewässern grundsätzlich nicht ausgesetzt werden (§ 18(1) LFischO NRW).
Der Besatz von Arten, die nach § 1 LFischO NRW ganzjährig geschont sind und aus Gebieten außerhalb Nordrhein-Westfalens stammen, darf nur mit Genehmigung der Oberen Fischereibehörde erfolgen (§ 18(2) LFischO NRW).
|
|
|
Gefahr der Krebspestübertragung
Die Krebspest (Pilzerkrankung) stellt eine permanente und sehr große Gefahr für
die heimischen Flusskrebsarten dar. Ist das erste Tier infiziert, steigt die
Erregerkonzentration sprunghaft an. Durch das Fressen verendeter Artgenossen
breitet sich die Krankheit zusätzlich rapide in einem Bestand aus. Die Krankheit
tötet einen Krebs in wenigen Tagen und in der Regel dauert es nur Wochen, bis
der gesamte Bestand vernichtet ist.
Viele, der bei uns weit verbreiteten amerikanischen Flusskrebse (Kamberkrebs, Signalkrebs, Roter Amerikanische Sumpfkrebs) tragen die Krankheit in sich und scheiden Erreger aus. Sie sind der Ausgangspunkt für neuerliche Krebspestausbrüche, ohne selbst Krankheitssymptome zu zeigen.
Das sollten Sie bei einem Besuch eines
Krebsgewässers bedenken!
Die Erreger (Pilzsporen) sind in der Lage, bis zu 16 Tage im Wasser ohne Krebs zu überleben. In dieser Zeit ist eine Verbreitung durch alle Arten von „Wassertransport“ möglich. Neben natürlichen Übertragungswegen verbreitet der Mensch häufig unbewusst diese Krankheit. So können die Erreger über feuchtes Angelgerät, Gummistiefel oder auch Wassersportgeräte von einem Gewässer zum anderen übertragen werden.
Daher sollten Sie Ihre Geräte vor dem Besuch eines Gewässers mit einem möglichen Bestand an heimischen Flusskrebsen gut trocknen. Auch eine Desinfektion mit jodhaltigen Desinfektionsmitteln, eine Wärmebehandlung (30°C über 30 Stunden) oder Durchfrieren (-20°C über mindestens 20 Stunden) töten den Erreger ab.
Durch Fischbesatz oder Einbringen von Wasserpflanzen können nicht nur Erreger, sondern auch kleine Krebse übertragen werden. Das ein Aussetzen amerikanischer Flusskrebsarten in andere Gewässer einer Katastrophe gleich kommt, versteht sich auf Grund der Krebspestübertragung und der Verdrängung der heimischen Flusskrebsarten von selbst.
Bitte beachten Sie auch die Hinweise für Kartierer, die auf unserer Downloadseite herunter geladen werden können.
|
|
|
Literaturempfehlungen zum Thema Flusskrebse
Bohl; E., M. Keller & B. Oitdmann (2001):
Flusskrebse in Bayern.
Bezug: Landesfischereiverband Bayern e.V., Pechdeller Str. 16, 81545 München,
Tel.: 089-642 72 60,
www.lfvbayern.de.
Kostenlose, informative und reich bebilderte Broschüre, 35 Seiten.
Hager, J. (1996): Edelkrebse - Biologie, Zucht,
Bewirtschaftung.- Leopold Stocker Verlag, 128 S., ISBN 3-7020-0751-2
Vorstellung der Arten, Biologie der Flusskrebse, Zucht.
Burk, C. (2004): Artenschutzprojekt Edelkrebs.-
Mitteilungen des Landesfischereiverbandes Westfalen und Lippe e.V., Bd. 5, 57
S., ISBN 3-9809545-0-1.
Bezug: Landesfischereiverbandes Westfalen und Lippe e.V., Nevinghoff 40, 48147
Münster, Tel.: 0251-482710,
www.lfv-westfalen.de
Biologie und Gefährdung, Vorstellung eines Artenschutzprojektes.
Eder, E. & W. Hödl (1998): Flusskrebse Österreichs.-
Stapfia 58, Neue Folge 137, 284 S., ISBN 3-85474-032-8.
Bezug:
www.biologiezentrum.at, Rubrik Publikationen / Stapfia (nicht über
Buchhandel erhältlich)
Unfassendes Werk zum Thema Flusskrebse.
Bohl. E. (1989): Ökologische Untersuchungen an
ausgewählten Gewässern zur Entwicklung von Zielvorstellungen des
Gewässerschutzes – Untersuchungen an Flusskrebsbeständen.- Bayerische
Landesanstalt für Wasserforschung, 237 S.
Bezug: Beim Hrsg. leider vergriffen >> Fernleihe Bibliotheken
Sehr umfangreiche Untersuchung aus Bayern zur Biologie und Ökologie der
heimischen Flusskrebse.
Füreder, L. et al (2009):
Flusskrebse, Biologie – Ökologie – Gefährdung.- Veröffentlichungen des
Naturmuseums Südtirol, Nr.6, Folio Verlag Wien/Bozen, ISBN 978-85256-406-7.
Neuestes Buch über Flusskrebse mit Bezug zum gesamten deutschsprachigen Raum.
Lukhaup, Ch. & R. Pekny (2005): Krebse im Aquarium –
Haltung und Pflege im Süßwasser.- Dähne Verlag, 157 S., ISBN-11: 3-935175-31-0,
ISBN-13: 3-978-3-935175-31-9.
Lukhaup, Ch. (2003): Süßwasserkrebse aus aller
Welt.- Dähne Verlag, 247 S., ISBN 3-935175-14-0.
Umfangreiches und gut bebildertes Buch.
Souty-Grosset, C., D.M. Holdich, P.Y. Noël, J.D.
Reynolds & P. Haffner (2006): Atlas of Crayfish in Europe.- Publications
Scientifiques du Museúm national d`Histoire naturelle Paris, 187 S., ISSN
1281-6213, ISBN 2-85653-579-8, ISBN 13 978-2- 85653-579-0.
Bezug: Über den deutschen Buchhandel (vermutlich) nicht möglich;
Bezugsmöglichkeiten (Stand Juni 2008):
www.amazon.fr;
www.lopinga.com
|
|
|
Immer wieder wird die Frage gestellt, ob Vögel auch Flusskrebse als Nahrung nutzen. Die Krebsbrut soll nach Hager (1996) von Eisvogel und Wasseramsel gerne verzehrt werden. Auch Enten sollen vor allem in dicht besiedelten Teichen Jungkrebse fressen. Besonders dem Graureiher aber auch Krähen wird nachgesagt, dass sie auch größere Exemplare erbeuten.
Mit Ausnahme der Wasseramsel, die aktiv unter Wasser nach Kleintieren sucht, liegt die Vermutung nahe, dass Flusskrebse auf Grund ihrer nachtaktiven Lebensweise eher seltener von am Tage jagenden Vögeln erbeutet werden.
Zwei
Ornithologen gelangen unabhängig voneinander hierzu einige interessante
Beobachtungen. So stellte Herr Michael Kuhn fest, dass Eistaucher und Samtenten,
die an einem mit Kamberkrebsen besiedelten Baggersee überwinterten, sich zum
großen Teil von Flusskrebsen ernährten. Dabei wurde den Enten der Fang häufiger
von Möwen abgejagt. Herr Kuhn vermutet, dass v.a. Vogelarten, die zeitweise auch
an der Küste leben, Krebstiere als Nahrung kennen und sie auch im Binnenland
nutzen.
Dass
auch Haubentaucher Flusskrebse fressen, konnte Herr Dr. Werner Gossel mit
eindrucksvollen Fotos dokumentieren. Welche Flusskrebsart die Vögel hier
verspeisen, ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich handelt es sich um den
Kamberkrebs oder den Roten Amerikanischen Sumpfkrebs, die beide in diesem
Gewässer vorkommen sollen.
Ob die größere Tagaktivität der amerikanischen Arten die Nutzung durch Vögel begünstigt oder auch Edelkrebse gefressen werden, ist noch zu klären. Auf Grund der Tatsache, dass Taucher in Seen bei geringerem Lichteinfall auch Edelkrebse am Tage beobachten, spricht zumindest für die Möglichkeit. Den teilweise sehr dichten Flusskrebsbeständen in einigen Seen werden die Verluste durch Vögel aber nicht schaden.
Wir möchten uns bei Herrn Kuhn und Herrn Dr. Gossel
für ihre Zusammenarbeit bedanken. Es ist immer schön wenn zwei auf den ersten
Blick so unterschiedliche Bereiche Anknüpfungspunkte finden.
|
|
|
Auch
eine für NRW neue Flusskrebsart konnte durch die Kartierungsarbeiten im Rahmen
des Edelkrebsprojektes nachgewiesen werden. Bei einem Tauchgang entdeckte Peter Mülhens in einem Baggersee eine australische Flusskrebsart (Cherax
quadricarinatus), im Aquarienhandel auch als „Red Claw“ bezeichnet. Das Tier
wurde offensichtlich durch Aquarianer ausgesetzt.
Da es sich um eine „Warmwasserart“ handelt, ist ein längeres Überleben
allerdings wenig wahrscheinlich. Darüber hinaus übertragen die australischen
Krebse im Gegensatz zu ihren amerikanischen Vettern nicht die „Krebspest“. Von
dieser für heimische Flusskrebse tödlichen Pilzerkrankung geht weiterhin die
größte Gefahr für die heimischen Flusskrebse aus. Der unbedachten Verbreitung
nicht heimischer Arten durch den Menschen möchte das Edelkrebsprojekt durch
Aufklärung entgegenwirken.
|
|
|